Die Haltung von Deutschen Doggen

(Hinweis: Die Deutschen Doggen vom Gehrensee basieren nicht auf Zwingerhaltung.)

Hinsichtlich der Haltungsbedingungen von Deutschen Doggen werden die sehr unterschiedlichen Meinungen nicht selten von rein persönlichen Interessen bestimmt. Dadurch wird eine sehr anpassungsfähige Hunderasse je nach Bedarf mit Eigenschaften versehen, die mehr dem marktgerechten Absatz von Welpen dienen, von der Realität aber weit entfernt sind. Besonders übel wird es, wenn suggeriert wird, das allein durch züchterischen Einfluss die Dogge optimal für alles geeignet ist. Doch nun etwas konkreter zum Thema:

Vielleicht sollte man anstatt von artgerechter Haltung besser von:

optimalen, möglichen und ungeeigneten Haltungsbedingungen sprechen.

Wichtig ist zu wissen, dass jede Haltungsform starke Seiten und weniger günstige Aspekte in sich birgt. Unter Haltungsformen kann man die: Freilandhaltung, die Wohnungshaltung und die Zwingerhaltung verstehen.

Hugo vom Gehrensee       

1. Ungeeignete Haltungsbedingungen

  • Kleine Zwinger ohne Auslauf und ohne Familienanbindung
  • Mietwohnungen generell (Dies entspricht langjährigen Erfahrungen der Ordnungsbehörden.)
  • Schuppen oder Scheunen
  • Die Haltung als Wachhund
  • Extreme Standorte für Hundehütten, Hundehäuser, Zwinger oder Ausläufe. (d.h. kalte, feuchte Standorte oder sonnige Orte ohne Schatten)
  • Jede Form von Anbindehaltung
  • Die Haltung unter einem "Liebhaber", der die Dogge wie eine Katze hält, permanent verwöhnt, keine Grenzen o. Normen setzt und bei ersten Autoritätsproblemen "schlechte Gene" verantwortlich macht.
         
Bianca vom Gehrensee      

2. Mögliche Haltungsbedingungen

  • Die reine Wohnungshaltung im Eigenheim. Bei der Haltung in der Stadt muss ein Hundeauslaufgebiet vorhanden sein.
  • Zwingerhaltung mit großem Auslauf und Rudelhaltung. Diese Haltung ist optimal, wenn die Doggen regelmäßig mit ins Haus dürfen.
         
Rebecca      

3. Optimale Haltungsbedingungen

  • Eigenheim mit großem Grundstück auf dem sich die Dogge frei bewegen darf.
  • Dazu gehört ein offenes Hundehaus mit eingebauter isolierter Hütte. Für Welpen wird ein großer Zwinger mit Kiesboden und Gittersteinen für einen festen Untergrund benötigt. Die Hundehütte sollte innen 1,20m x 1,20m x 1m sein. Als Wurfhütte 1.80m x 1, 80m x 1m. Die Wände müssen isoliert sein und eine Stärke von etwa 10-12cm haben. Die Hütte muss für den Winter oder für Welpen beheizbar sein. Da Doggen sehr gern Nester bauen, eignet sich als Einstreu weiches Heu. Decken als Unterlagen sind möglich, sollten aber regelmäßig gewaschen werden.
  • Der tägliche Aufenthalt im Haus gehört mit zur artgerechten Haltung von Doggen. Insbesondere Doggen entwickeln eine enge Bindung an den Menschen. Die Dogge betrachtet uns als Rudelführer der selbstverständlich sein Rudel zusammenhält. Wir gehören als Mensch also zum Rudel "Hund".
         
         

Weshalb ist die beschriebene Haltungsform optimal?

Die Dogge benötigt für eine gute Entwicklung u. a. frische Luft, Sonne (UV-Stahlung) und Bewegung. Diese Bedingungen sind bei der reinen Wohnungshaltung nicht ausreichend gegeben. Werden Welpen aus Freilandhaltung in der Wohnung weiter aufgezogen, dann kommt es bereits nach wenigen Wochen zu einer Reduzierung des Muskelapparates. Das Unterhautfettgewebe ist nicht entwickelt, was sich besonders im Winter negativ bemerkbar macht. Die Tiere, die Zimmertemperaturen gewöhnt sind, frieren im Winter schneller und besitzen kein dichtes Winterfell. Aus schweren muskulösen Doggen werden in der Wohnung meist sehr elegante Vertreter ihrer Rasse. Man kann eine Dogge zwar auch in der Wohnung auf "Masse" bringen. Der Typ ist aber trotzdem ein anderer. Oft fehlt die kräftige, muskulöse Brust und die aufgezogene Bauchlinie. Wenn dann noch viele Nudeln oder Essensreste gefüttert werden, braucht man sich nicht zu wundern wenn es Menschen gibt die Doggen mit kleinen Kälbern vergleichen. Wohnungsdoggen insbesondere, wenn sie in der Stadt leben, sind allerdings vorzüglich sozialisiert und deshalb bestens für den Urlaub geeignet.

 Deutsche Doggen "vom Gehrensee" Annuschka v. Gehrensee im Alter v. 7 Jahren.
Dragon vom Gehrensee, ein sehr kräftiger Rüde aus Freilandaufzucht mit Familienanbindung. Annuschka "v. Gehrensee" hat auch mit 7 Jahren noch ein vorzügliches Gebäude.

Freilandhaltung bedeutet das die Dogge etwa 2/3 des Tages außerhalb des Hauses ist ohne ständig in engen Zwingern eingesperrt zu sein. Das ist besonders im Herbst wichtig. Der Körper stellt sich nicht in der Wohnung auf die Temperaturen im Winter ein. Ab Null Grad Nachttemperatur wird der Eingang der Hütte verhangen. Gehen die Temperaturen auf unter -5 Grad zurück, legt man am besten zwei Doggen in eine Wurfhütte. Ab -10 Grad Nachttemperatur muss dann die Hütte beheizt werden. Das Messen der Temperaturen innerhalb der Hundehütte wird am Anfang, wenn man noch keine Erfahrungen hat, eine Hilfe sein. Die Dogge sollte morgens immer warm aus ihrer Hütte kommen. Das Heizen mit Dunkelstrahlern hat sich insbesondere bei Welpen nicht bewährt. Welpen ziehen sich gern zum roten, warmen Licht. Bei der Verwendung von Rotlicht ist allerdings streng auf die Sicherheitsbestimmungen zu achten. Die Lampe muss gesichert sein u. es darf keine Brandgefahr bestehen. Man kann durch Rotlicht insbesondere im Herbst verhindern, dass die Welpen nicht einfach im Vorraum des Hundehauses schlafen, weil es eventuell im "Hundehaufen" bequemer war als sich vom Rudel zu trennen und in die Hütte zu gehen.
Die Freilandhaltung ist nur außerhalb enger Siedlungsgebiete empfehlenswert. Die Dogge neigt als Schutzhund dazu ihr Grundstück zu bewachen. Bei dichter Besiedelung könnte es ohne Sichtverblendungen Probleme mit weiteren Anliegern geben.

Gegen Zwinger ist nichts einzuwenden, wenn sie als kurzzeitiger Aufenthalt gedacht sind.
Das Maß aller Dinge für eine artgerechte Haltung liegt wie immer meistens in der Mitte. Extreme sollten vermieden werden.
Richtschnur für die Haltung sollten die Gesundheit unsere Dogge und die örtlichen Gegebenheiten sein.
Die Dogge selbst entscheiden lassen ist nicht möglich, da sie immer den bequemen Weg wählen wird und der ist bei Herrchen auf dem Sofa. Sie haben genau wie die meisten Menschen Schwierigkeiten einzusehen, dass der bequeme Weg auf die Dauer nicht immer der Beste ist.

Nicht zuletzt ist die Haltung von Hunden immer auch an die örtlichen Gegebenheiten gebunden.
Eine Doggenhaltung im Haus ist z.B. immer dann angesagt, wenn man mit Einbrüchen rechnen muss.
In einer hundefeindlichen Umgebung wird auch einiges anders sein als in Regionen oder in Ländern, wo man ein Herz für Tiere hat.
Intoleranz, Rassismus und Machtkämpfe die unterhalb der Gürtellinie ausgetragen werden, haben in Deutschland zugenommen. Die Deutsche Dogge, weltweit meist als "Great Dane" bezeichnet, hat immer noch den Vorteil in Deutschland ein deutscher Hund zu sein. Wie würde man denn mit ihr umgehen wenn die Hauptzuchtbasis nicht in Deutschland wäre? Der Deutschen Dogge kann man unter diesen Bedingungen nur wünschen, dass sie in gute Hände kommt und ihr Herrchen nicht aufgibt für ihr Recht zu kämpfen z. B. auch ohne Leine laufen zu dürfen.

© 1999 by G. Dießel, Nachdruck und Übernahme, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors.

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